Foto-Tutorial: Bunte Milch

Foto-Tutorial: Bunte Milch

In diesem Tutorial erwartet Euch eine Farbenpracht der ganz besonderen Art. Milch ist gesund und lecker, doch dass sie auch ein Kunstwerk sein kann… lasst Euch überraschen.

 

Vorbereitung

Foto-Tutorial-bunte-Milch-1Im Prinzip ist es recht einfach. Man gießt Milch in eine flache Schale und tropft Farbe hinein. Damit diese sich unkontrolliert zu vermischen beginnt, tropft man etwas Spülmittel an unterschiedlichen Stellen in die Milch. Dadurch wird die Oberflächenspannung der Milch gebrochen und die Farben beginnen zu tanzen.

Es eignet sich jede flache Schale – besser ist eine eckige, die den Proportionen des Kamera Sensors entspricht – ansonsten sind große Bereiche der Schale ungenutzt. Die Milch wird ca. 0,5-1cm hoch eingefüllt. Dabei sollte man darauf achten möglichst keine Luftblasen zu erzeugen. Diese sind auf den Bildern eher störend. Da ich auch versuchen wollte mit einem Blitz von unten zusätzlich Licht in die Farbe zu bekommen, habe ich mir einen Rahmen aus Holz gemacht. Dieser ist bei mir ca. 3cm hoch und hat als Innenmaße 36x24cm. Der Rahmen wird auf einer Glasplatte positioniert. Über den Rahmen habe ich eine dünne Plastikfolie gelegt und diese innerhalb des Rahmens bis auf die Glasplatte angedrückt. Die Folie braucht nur ungefähr glatt gedrückt werden. Sie kann dann leicht mit der versauten Milch entfernt und entsorgt werden. Neue Folie einlegen und man ist bereit für einen neuen Versuch.

Die Tiefe von 3cm hat sich nach dem ersten Versuch als zu tief erwiesen. Durch die Blitze, die von der Seite auf den die Milch gerichtet sind, hat sich der Schatten des Rahmens in den Randbereichen ungünstig abgezeichnet. Also habe ich mit Styropor den Boden so erhöht, dass die entstandene Wanne nur mehr 1cm tief war.

 

Setup und Lichtsetzung

Foto-Tutorial-bunte-Milch-2Durchlicht von unten bringt nicht wirklich etwas. Durch das Styropor würde es auch nicht durchgehen. Scherz bei Seite. Mit einem anderen Setup habe ich bei der Lichtsetzung auch einen Blitz mit Softbox unter das Glas gesetzt. Der Effekt ist nicht besser, als mit reinem Licht von oben. Aus diesem Grund würde ich jetzt als Gefäß eine eckige Schale mit niedrigem Rand nehmen. Bei der Lichtsetzung empfiehlt es sich mit Foto-Tutorial-bunte-Milch-3zwei Systemblitzen zu arbeiten, die seitlich im 35° Winkel auf die Milch blitzen. Die Leistung der Blitze habe ich auf 1/64 reduziert und die Aufnahmen in einem fast dunklen Raum gemacht. Die Kamera wurde dabei auf 1/250sec und Blende 11 gestellt. ISO 100-320 sind mehr als ausreichend. Die eigentliche Belichtungsdauer ergibt sich wieder aus der Abbrennzeit der Blitze und bewegt sich hier in etwa bei 1/16.000sec. Der Vorteil aus der kurzen Belichtungszeit ist, dass keine Bewegungsunschärfe entstehen kann. Bei 1/250 kann es doch zu unscharfen Kanten kommen. Durch die Verwirbelungen der Farben ergeben sich unscharfe Farbverläufe – also keine Panik – es geht nicht schärfer.

Auf dem Foto sieht man im unteren Bereich den deutlichen Schatten des Rahmens und die Spiegelung des Blitzes. So sollte die Lichtsetzung nicht gemacht werden.

Die Kamera wird parallel zur Oberfläche der Milch im gewünschten Abstand positioniert. Ich verwende dazu ein Stativ mit Ausleger, sodass die Kamera zentral über der Wanne platziert und nach unten gerichtet werden kann. Nach dem Fokussieren sollte man auf manuellen Fokus setzen, da ein neuerliches Fokussieren im Dunklen fast unmöglich ist und nicht notwendig wäre. Ausgelöst wird die Kamera manuell mit einem Funkauslöser. Die Blitze sind mit Pocketwizards mit der Kamera verbunden. Eine Kabelverbindung oder andere Synchronisation würden aber ebenso funktionieren.

Als Farbe verwende ich Lebensmittelfarbe, Druckertinte oder Eiweißlasurfarben. Meiner Meinung nach die besten Ergebnisse habe ich mit Rot, Gelb und Blau erzielt. Schwarz ist zu dunkel. Weiß hat bei Milch wenig Sinn. An Stelle von Milch Sahne zu nehmen, verschlechtert das Ergebnis. Sahne ist zu fett und zu dickflüssig. Optimale Ergebnisse habe ich mit Magermilch bis Vollmilch erzielt. Spülmittel – es eignet sich jedes dünnflüssige Spül oder Waschmittel.

Sind Kamera und Blitze in Position, füllt man die Milch in die Wanne. Nun kann die Lichtsetzung noch kontrolliert sein, weil die weiße Milch Spiegelungen der Blitze gut aufzeigt. Ist alles gewünscht eingestellt, dann kann die Farbe in die Milch getropft werden. Pipetten sind dazu gut zu gebrauchen. Mit einer Spritze die Farbe einzuspritzen ist möglich. Dabei muss man aber aufpassen, dass man möglichst keine Luftblasen erzeugt. Diese schauen auf den Fotos nicht gut aus, da sie die Farbwirbel eher unruhig unterbrechen, als bildgestalterische Elemente darstellen.

Beim Einbringen der einzelnen Farben sollte man schon immer wieder auf den Auslöser drücken. Sobald man das Spülmittel eintropft, gibt es starke Reaktionen und die Farben beginnen sich zu verwirbeln. Es können dann noch abwechselnd mehrmals neue Farbe und Spülmittel eingebracht werden. Hier sollte man einfach experimentieren und die Farbe auch einmal vorsichtig aus einem Fläschchen in die Milch schütten. Ist die Farbe der Milch zu dunkel und zu stark verschmutzt, sollte man die Milch ausleeren oder einfach die Folie abschneiden und wie eine Plastiktüte herausheben.

Ingredienzien

Milch Vollmilch, Halbfettmilch oder Magermilch eignen sich alle in etwas gleich gut. Sahne ist zu dickflüssig. Auch ein Sahne Milch Gemisch ist eher ungeeignet.

Farben Druckertinte: Diese gibt die interessantesten Muster – sie zerfließt sofort und bildet große Flecken

Lebensmittelfarbe: vermischt sich recht gut mit der Milch

Eiweißlasurfarbe: eignet sich hervorragend, ist aber sehr teuer.

Ich habe die Farben mit einer Pipette in die Milch getropft, aus kleinen Flaschen geschüttet oder mit einer Spritze mit Nadel hineingespritzt. Generell ist darauf zu achten, dass man möglichst keine Luftblasen erzeugt. Diese stören meiner Meinung nach auf den Bildern. Durch Einspritzen mit einer Spritze können interessante Wirbel erzeugt werden.

Nachbearbeitung

Bei der Nachbearbeitung kann man sich kreativ austoben. Mit den Farbreglern spielen und so weiter. Ich habe jedoch nur die Kurven leicht angepasst. Generell eignen sich die Spielereien mit Milch und Farbe auch für einen kurzen Film – Time Lapse, Zeitlupe, alle Optionen stehen offen. Ein Beispielfilm ist hier zu finden:

Tipp: Wenn man das Spülmittel mit einem Zerstäuber aufträgt, dann bekommt man interessante Effekte. Einziger Knackpunkt sind die Luftblasen, die dadurch eher entstehen.