Foto-Tutorial: Glühbirne brennt durch

Foto-Tutorial: Glühbirne brennt durch

In diesem Tutorial werden alle Fotografen die noch ein geschicktes Händchen beim basteln haben Ihren Spaß finden.

Vorbereitung

foto-tutorial-lampe4Um eine Glühbirne kontrolliert durchbrennen zu lassen, muss man die Versorgungsspannung mit einem Dimmer regulieren. Dazu empfehlen sich Schieberegler für Halogenstandleuchten, da diese an einem Ende schon einen Netzstecker besitzen und auch in einem Gehäuse verbaut sind. Diese Stehlampen bekommt man in Baumärkten, Möbelgeschäften oder Flohmärkten. Man foto-tutorial-lampe5sollte nicht mehr als 20€ für die Lampe inklusive Schieberegler ausgeben. Handlich ist es, wenn der Regler nicht in der Lampe verbaut, sondern mit einem Kabel mit dieser verbunden ist.

 

 

 

 

foto-tutorial-lampe6Glühbirnen – es eignen sich alle 230V Birnen, die einen Glühfaden aufweisen. Energiesparlampen, LEDs oder Halogenlampen sind nicht geeignet! Damit der Glühfaden verbrennen kann, muss dieser mit dem Luftsauerstoff in Verbindung kommen. Dazu muss das Glas der Birne aufgebrochen werden. Mit einem kleinen Hammer auf die Birne zu schlagen empfiehlt sich nicht, weil diese unkontrolliert und unsauber splittern foto-tutorial-lampe7würde. Hier empfiehlt es sich mit einem Handschleifer (Dremel) ein Loch in die Birne zu bohren und dieses mit einer Zange vorsichtig  zu erweitern. Bei den Arbeiten sollte man Arbeitshandschuhe tragen und die Lampe immer über einem Abfalleimer halten, in den die Splitter fallen können. Eine Schutzbrille wird ebenso empfohlen.

Das Loch im Glas sollte nicht zu groß und nicht zu klein sein. Ein zu großes Loch schaut auf dem Bild wenig spektakulär aus, ein zu kleines staut den Rauch in der Birne. Die Größe, wie auf der Abbildung oben ist eigentlich optimal. Beim Anbohren sollte die Birne nach unten gehalten werden – d.h.: der Dremel schleift von unten das Loch in die Lampe, dadurch kommt möglichst wenig Glasstaub in die Lampe. Auch beim Ausbrechen der restlichen Scherben, sollte die Lampe immer so gehalten werden, dass die Splitter raus fallen und das Innere der Lampe nicht verschmutzen. Handschuhe empfehlen sich nicht nur wegen der spitzen Scherben, sondern auch, um störende Fingerabdrücke auf dem Glas zu vermeiden. Ein Reinigen der Lampe nach dem Ausbrechen ist nur mehr bedingt möglich und wird nicht empfohlen. Den Glühfaden sollte man wie abgebildet positionieren, da so der Rauch besser aufsteigt und es eigenartig aussieht, wenn er schief oder um 90° gedreht abgebildet ist. Hat man Das Loch gebohrt, bleibt einem hier nicht mehr viel Gestaltungsspielraum. Also vorher ansehen und nachdenken, wie man es nachher am Bild haben will.

Für den Anschluss der Lampe verwende ich eine Holzkiste durch deren Boden zwei Stahlnägel geschlagen sind. Einer mit dem Kopf von oben nach unten, der andere genau verkehrt herum. Der Abstand der beiden Nägel ist rund 1cm. Der Nagel der von oben in die Kiste geschlagen wurde, sollte oben rund fünf Millimeter rausstehen (den Kopf nicht ganz versenken) Er wird der hintere Pol werde. Den anderen Nagel nur rund zwei Millimeter durch die Kiste rausschlagen. Er dient als foto-tutorial-lampe8Lampenfassungspol und sollte die Fassung von unten berühren. Das Material der Kiste sollte stabil und NICHT STROMLEITEND sein! Trockenes Holz ist hier ein guter Werkstoff. Ich habe dazu auch eine Version mit einem 2cm dicken Buchenleimbinder gebaut, die Kiste tut es aber auch. Die Kiste hat den Vorteil, dass sie innen hohl ist und die Anschlüsse der Kabel an die zwei foto-tutorial-lampe9Nägel recht einfach erfolgen können. Dazu die Kabel rund 1cm abisolieren und einfach um die Nägel wickeln. Danach sollten die Kabel mit Isolierband isoliert und auf der Innenseite der Kiste festgeklebt werden. Eine Zugentlastung ist nützlich, wenn man in der Hektik über ein Kabel stolpern sollte. Auf die Kiste lege ich schwarzen Fotokarton durch den ich die Nägel durchdrücke. Je sauberer man hier arbeitet, desto weniger muss man nachträglich mittels Bildbearbeitung nachbearbeiten.

 

Setup und Beleuchtung

foto-tutorial-lampe10Es gibt zwei Varianten, die sich eignen die Lampe gut in Szene zu setzen. Ich werde beide beleuchten.

Bei der ersten Variante wird die Kamera manuell auf 1/4.000sec gestellt. Zur Beleuchtung verwendet man entweder starkes Dauerlicht oder Blitze, die Kurzzeitsynchronisation können. Sie blitzen dann nicht einmal, sondern mehrfach, genau zur richtigen Zeit damit foto-tutorial-lampe11das Bild gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Bei meinen ersten Versuchen habe ich eine 400V Quecksilberdampflampe verwendet. Diese ist zwar sehr hell und ermöglich kurze Belichtungszeiten, hat aber einen Farbtemperaturverlauf, der sich über die Sinuswelle der Netzspannung verändert.

Dies führt dazu, dass das Bild vom Verschlussanfang zum Ende einen Farbverlauf aufweisen kann. Ich foto-tutorial-lampe12empfehle hier Systemblitze zu verwenden und diese, wenn möglich, über Kurzzeitsynchronisation zu steuern. Eine Belichtungszeit von 1/250 oder 1/320 Sekunde erzeugt leider nicht gestochen scharfen Rauch, da hier schon die Bewegungsunschärfe sichtbar wird. Besser wird er bei 1/4.000sec. Dazu habe ich zwei Nikon SB910 mit Pocketwizards mit der Kamera verbunden. Ein Blitz ist mit einem Snoot versehen und direkt auf die Lampe gerichtet, der andere indirekt über eine Styroporplatte, die als Reflektor dient. Es können beliebige Systemblitze verwendet werden, die sich kurzzeitsynchronisieren lassen.

Mit den Reflektoren sollte man spielen und die Ausleuchtung mit einer Lampe ohne Strom so gestalten, dass man mit dem Licht und den Reflexionen zufrieden ist. Ich habe dann auch noch Versuche mit zwei Snoots (OHNE Reflektoren) gemacht und finde diesen Ansatz besser, da die Reflektoren sich dann nicht in der Birne spiegeln können.

Als Hintergrund empfehle ich hier schwarzen Karton oder Molton zu verwenden. Je nach Geschmack kann auch mit einer Hohlkelle gearbeitet werden.
Belichtungseinstellungen waren hier:

Blende 9
ISO 500
Belichtungszeit 1:4.000sec
Objektiv 24-70mm 2.8 auf 70mm

 

 

 

Bei der zweiten Variante habe ich den Ansatz gewählt, die eigentliche Belichtungsdauer über die Abbrenndauer der Blitze einzustellen. Dazu wird die Kamera aus 1/250sec gestellt (Kürzeste Blitzsynchronzeit bei der der Verschluss einmal komplett offen ist, in dem Moment wird dann der Blitz ausgelöst). Blende und ISO sind gleich wie beim ersten Versuch. Die Leistung der Blitze wurde reduziert auf 1/16 oder 1/32. Zuerst dachte ich, dass das Licht der brennenden Lampe ausreichen würde, um beim Rauch eine Bewegungsunschärfe zu erzeugen. Nach meinem Versuch war mir aber klar, dass dies nicht der Fall war. Der Setup, also Anordnung der Blitze und ggf. Reflektoren, ist gleich wie beim ersten Aufbau. Auch hier werden bei mir die Blitze mit Pockewizards synchronisiert, da ich nicht über Kabel stolpern will.

Links – Variante 1 mit 1/4.000sec, rechts Variante 2 mit reduziertem Blitz – dadurch eigentlich im Bereich von 1/16.000sec. Der Rauch ist rechts schärfer und nicht so flau.

foto-tutorial-lampe13

 

Nachbearbeitung

foto-tutorial-lampe14Bei diesem Beispiel wurden die Vorbereitungen bewusst nicht sauber durchgeführt. Hier muss nicht nur der gelb markierte Nagel weggestempelt werden, sondern auch Staub und eine Faser entfernt werden. Je weniger man den Karton zerkratzt und verdreckt und je sauberer die Birne ist, desto weniger tricksen muss man bei der Nachbearbeitung. Optimal ist es, wenn eigentlich nur der Nagel entfernt werden muss. Der untere Nagel ist durch die Position der Lampe nicht sichtbar. Sollte die Schrift auf der Lampe sichtbar sein, wie in meinem Fall, dann kann man sie nicht mehr Spiegeln, ohne hier einen komischen Effekt zu erzielen. Also vor dem Erzeugen des Lochs und vor dem Einschlagen der Nägel die Lampe so auf die Kiste legen, wie man sie später auf dem Foto haben will – dadurch bekommt man ein Gefühl wo die Nägel in die Kiste und das Loch in die Lampe gehören… Auch das ist beim unteren Bild nicht optimal. Mir gefiele es besser, wenn es genau horizontal gespiegelt wäre. Analoges gilt auch für die Lichtsetzung. Man sollte den Setup mit einer neuen Birne einrichten und die Lichtsetzung auf der Fassung und am Glas nach eigenem Geschmack einrichten!

Achtung: Die Lampen werden mit 230V betrieben. Bei dieser Spannung, auch im regulierten Zustand, ist es wichtig, Vorsicht walten zu lassen und beim Arbeiten an der Birne oder den Kontakten IMMER DEN NETZSTECKER zu ziehen! 230V können tödlich sein, tun aber mit Sicherheit weh!

 

Was kann man mit der kaputten Glühbirne sonst noch machen?

foto-tutorial-lampe16Die kaputte Birne gleich wegzuwerfen wäre schade. Sie eignet sich eigentlich wunderbar um sie mit brennbaren Flüssigkeiten zu füllen und anzuzünden. Dazu macht man ein Foto von der neutralen Lampe mit Blitz – damit man die Fassung und Ränder scharf hat und auch saubere Schatten bekommt.

Danach etwas Feuerzeugbenzin in die Lampe tropfen und die Kamera auf Langzeitbelichtung (ISO 400-800, Blende 8, Zeit 1-2 Sekunden) stellen und die brennbare Flüssigkeit entzünden.

Die grünen Flammen habe ich mit einer Mischung aus Methylalkohol (giftig!) und Borsäure foto-tutorial-lampe15gemacht.

Achtung: Methylalkohol wird über die Haut resorbiert!