Interview mit Astrofotograf Roland Störmer

Interview mit Astrofotograf Roland Störmer

Heute präsentieren wir Euch ein Interview mit dem bekannten Astofotografen Roland Störmer.

 

Hallo Roland, herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit nimmst, um uns einen kleinen Einblick in Deine Arbeit und die Astrofotografie zu geben.

Wenn man sich Dein Astrofotografie-Video anschaut, dann sieht man faszinierende Bilder, erhält außergewöhnliche Einblicke und stößt auf Hightech pur.

 

 

Wie bist Du eigentlich zu Astrofotografie gekommen?

 

Astrofotograf Roland StörmerEs war der 21. Februar 2008, der mein Leben und das meiner Familie prägend verändert hat. An diesem Tag, genauer: in dieser Nacht war für den deutschen Raum eine totale Mondfinsternis angekündigt. Im Hinblick auf das kommende Ereignis kaufte ich mir etwa zwei Wochen zuvor ein kleines Teleskop (auf einer wackeligen Montierung). Ich wollte unbedingt die Mondfinsternis ablichten – ohne genau zu wissen, wie man das macht. Um es vorwegzunehmen, die Nacht war sehr lang und sehr wolkenreich, zeitweise hatte es sogar geregnet. Vom Mond und somit von der Mondfinsternis war fast nichts zu sehen. Ich hatte aber bis zuletzt die Hoffnung nicht aufgegeben und mein Teleskop mit der daran angeschlossenen digitalen Spiegelreflexkamera stand aufnahmebereit in der Einfahrt vor unserem Haus.

 

Die totale Verfinsterung war für 4.26 Uhr angekündigt. Eine lange Zeit bis dahin. Für 2.43 Uhr war der Eintritt in den Erdschatten angekündigt, das heißt, ab diesem Zeitpunkt wollte ich Fotos machen. Leider war es so sehr bewölkt, dass ich den Mond kaum finden konnte. Ich ließ das Teleskop also aufnahmebereit vor dem Haus stehen und ging ins Wohnzimmer zum PC. Und genau das war es, was diese Nacht so besonders für mich machte. Ich fand im Internet eine Seite, auf der ein User eine Live-Schaltung bereitstellte, um alle Zuschauer an der Mondfinsternis teilhaben zu lassen. Zu sehen war ein aufgebautes Teleskop, mitten auf einem Feld. Dahinter ein Pkw-Kombi mit aufgeklappter Heckklappe. Im Kofferraum des Kombis saß der Besitzer des Teleskops und stellte mittels Webcam den aktuellen Status der Mondfinsternis ins Internet. In dieser Nacht war es sehr kalt. Der Mann im offenen Kombi hatte Decke und Heißgetränk dabei. Doch was war zu sehen?

 

Astrofotografie Sternennebel rotDie Live-Bilder, die die Webcam zeigte, sahen genauso aus wie bei mir zu Hause: Wolken über Wolken. Kein Mond. Ich machte mir auch ein Heißgetränk (Pfefferminztee) und schaute nach meinem Teleskop. Tatsächlich lugte zeitweise der Mond aus den Wolken hervor. Es war aber noch zu früh, um eine deutliche Verdunkelung zu erkennen, also ging ich wieder zum PC, um den Live-Bericht zu verfolgen. Es war mittlerweile so, dass viele andere User sich diesen Live-Bericht vom Mann im Kombi auch ansahen und dies fleißig im Forum diskutierten. Es war ein angenehmer reger Austausch. Ich habe auch daran teilgenommen und schon fast vergessen, dass draußen noch mein Teleskop mit der Kamera wartete. Als es bei dem Mann mit dem Kombi anfing zu regnen – nein, es goss wie aus Eimern –, erinnerte ich mich wieder daran, was ich eigentlich in dieser Nacht machen wollte …

 

Also hinaus zum Teleskop und siehe da, der Mond war zwischen den Wolken aufgetaucht und zur Hälfte verfinstert. Schnell machte ich einige Aufnahmen mit den unterschiedlichsten Einstellungen. Das Problem, das ich als Anfänger hatte, war, dass ich das Teleskop nicht richtig zur optimalen Nachführung ausgerichtet hatte, der Mond sich also schneller aus meinem Gesichtsfeld und somit dem der Kamera bewegte, als es mir lieb war. Ich setzte daher die ISO-Zahl der Kamera hoch, um eine noch einigermaßen kurze Verschlusszeit verwenden zu können. Gegen 4.05 Uhr war wieder alles dicht und es fing an zu regnen. Die totale Verfinsterung hatte ich somit nicht mehr erlebt. Aber ich war damit nicht alleine. Viele Astrofotografen standen in dieser Nacht draußen und waren sicherlich genauso enttäuscht wie ich.

 

Am nächsten Tag wertete ich meine Bilder aus. Eines davon schickte ich an eine Astrozeitschrift zu einem Wettbewerb. Ich belegte den ersten Platz. Bestimmt nicht, weil mein Foto so gut war – sondern vielmehr, weil ich (vielleicht) der einzige Teilnehmer des Wettbewerbs war, der beim Auslösen der Kamera eine kleine Wolkenlücke hatte.
So begann mein Interesse an der Astrofotografie …

 

Das nenne ich einmal einen Einstieg mit Höhen und Tiefen, doch am Ende einem überraschenden und schönen Happy End. Es gibt sicherlich viele Fotografen die sich für die Astrofotografie begeistern würden, doch ein Punkt der etwas abschreckt ist sicherlich der technische Aspekt.
Wenn jemand mit der Astrofotografie beginnen möchte, wie sollte er dies am besten angehen?

 

Um erste Erfahrungen in der Astrofotografie zu machen, empfehle ich, wenn schon eine Kamera vorhanden ist, mit Startrails/Strichspuraufnahmen anzufangen. So erreicht man in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand ansprechende Ergebnisse.

 

Astrofotografie SternennebelRichten wir eine auf einem Fotostativ befestigte Kamera auf den Sternenhimmel und fotografieren mit langen Belichtungszeiten, hinterlassen die Sterne, aufgrund ihrer scheinbaren Bewegung, lange Lichtspuren. Natürlich ist es die Erde, wie wir alle wissen, die sich bewegt, und nicht die Sterne. Je weiter die zu fotografierende Himmelsregion von einer der beiden Himmelspole (Nord-/Südhalbkugel) entfernt ist, desto länger werden die Lichtspuren, die wir mit unserer Kamera aufnehmen.

 

Ebenso spielt die verwendete Brennweite sowie die Belichtungszeit eine Rolle. Bei langen Brennweiten sowie langen Belichtungszeiten sind die Lichtspuren/Strichspuren länger als bei kurzen Brennweiten und Zeiten. In der analogen (chemischen) Fotografie hat man sehr lange (über Stunden) belichtet, um eine Strichspuraufnahme zu erhalten. Bei der jetzigen digitalen Fotografie ist ein solches Vorgehen nicht ratsam. Sehr lange Belichtungszeiten würden nicht nur zu einem erhöhten Bildrauschen, sondern auch zu taghellen Bildern führen. Bei der digitalen Startrail-Fotografie macht man mehrere ca. 30 Sekunden lange Belichtungen. Diese Bilder werden dann per Bildbearbeitung zu einem Strichspurbild zusammengefügt.

 

Dieses Phänomen hat wohl jeder schon mal gesehen, der in der Nacht ein Gebäude mit Langzeitbelichtung aufnahm und am Computer statt punktuellen Sternen kleine weiße Striche sah.
Und wie würde der nächste Schritt aussehen, denn solche Lichtspuraufnahmen sind sicherlich noch weit von Deinen Astro-Nebelaufnahmen mit den wunderbaren Farbspielen entfernt?

 

Astrofotografie parallaktischen MontierungenDer nächste Schritt ist sicherlich die Anschaffung einer Teleskopmontierung um die Kamera der Erdrotation nachzuführen.

 

Die Kamera oder auch später das Teleskop der Wahl benötigt eine »Unterkonstruktion«. Diese wird Montierung genannt. Sie besteht aus zwei Hauptkomponenten: die Montierung und das Stativ (oder eine Säule).

 

Für Astrofotos ist die so genannte Deutsche Montierung am besten geeignet. Diese so genannten parallaktischen Montierungen sind oft mit Elektromotoren oder sogar mit einer Computersteuerung (GoTo) ausgestattet.

 

Mit einer DSLR (am besten noch astromodifiziert) und einer guten Festbrennweite gewinnt man so schöne Aufnahmen mit runden Sternen. Eine DSLR lässt sich auch leicht an einem Teleskop adaptieren, so eröffnen sich weitere Möglichkeiten.

 

Interessant ist auch die Mond- und Planetenfotografie… wobei ich hier anmerken möchte, dass ich Mondkrater und Planeten mi einer Planetenkamera (CCD-Kamera mit kleinem Sensor) filme, diese Filmaufnahme dann in Einzelbilder zerlege und dann die besten Aufnahmen am PC übereinander lege (stacke). Allerdings benötigt man für gute Fotos der Mondoberfläche oder der großen Planeten sehr viel Brennweite.

 

Du selbst hast zwei Bücher geschrieben „Himmelsphänomene fotografieren“ und „Astrofotografie: Blick zum Himmel mit der digitalen Kamera“ in denen Du Einsteigern als auch Fortgeschrittenen tolle Tipps und Hilfestellungen gibst. Ich denke mal die durchweg positiven Bewertungen für Deine Bücher sprechen da für sich.

Welches der beiden Bücher würdest Du einem Anfänger als erstes empfehlen und was ist Deiner Meinung nach an Deinen Bücher so besonders, dass die Leser so begeistern von Ihnen sind?

 

Nun, Du sprichst meine Bücher an. Es sind eigentlich drei. Das Buch „Astrofotografie“ wurde nach fast zwei Jahren von mir komplett überarbeitet. Es kamen neue Kapitel hinzu und die Techniken zur Bildgewinnung und Verarbeitung wurden den aktuellen Stand angepasst. Fast 75% der Bilder wurden ausgetauscht.

 

Das Buch „Himmelsphänomene“ ist bestens geeignet für Fotografen, welche sich mit der Himmelsfotografie beschäftigen möchten. Dies ist nicht nur die Astrofotografie sondern auch das Fotografieren am Tag: Wolken, Regenbogen, Unwetter/Gewitter usw.

 

Die Bücher „Astrofotografie“ beschreiben ausschließlich das Thema Astrofotografie. Es wird aufgezeigt welche Geräte dazu benötigt werden. In den angegebenen Beispielen wurde darauf geachtet, dass diese Geräte möglichst preiswert aber dennoch ausreichend sind, damit auch Einsteiger mit möglichst geringen finanziellen Mitteln Erfolge erlangen.

 

Die genaue Anwendung der Geräte wird an Beispielen erklärt, so dass der Nutzer sofort beginnen kann (ohne langweilige Anleitungen der Hersteller).

 

In vielen Unterkapiteln und Beispielen erkläre ich dann noch die Bildverarbeitung der gewonnenen Astroaufnahmen. Der Leser kann praktisch jedes Bild, welches ich in meinem Büchern zeige, selber nachmachen oder sogar viel bessere gewinnen, es wird alles genau beschrieben.

 

Wie bereitest Du eine Fotosession vor? Wie wählst Du Deine Motive in den Weiten des Alls aus?

 

Ich habe von meiner Rolldachhütte einen eingeschränkten Sichtbereich. Norden und Osten geht so ab 40 Grad. Süden ab 25 Grad. Westen gar nicht (Bäume).

 

Nach diesen Vorgaben suche ich mir ein passendes Motiv in Stellarium (Planetariumsoftware) aus. Wichtig ist für mich, dass ich auf eine möglichst lange Gesamtbelichtungszeit für ein Objekt in der Nacht komme. Im Sommer sind das meist 3 Stunden, im Winter bis zu 6 Stunden. Ich suche also mein Fotomotiv immer entsprechend der Standortvorgaben und der Jahreszeit aus. Ich erreiche, wenn das Wetter mitspielt im Laufe eines Jahres fast alle Himmelobjekte der Nordhalbkugel. Sollen es mal Objekte nahe am Horizont sein (Messier 8, Messier 20), setzte ich meine zweite Montierung mobil ein.

 

Wie sieht es mit der Nachbearbeitung der Bilder aus? Welche Rolle spielt sie bei Deinen Fotos?

 

Astrofotografie SternenbildBildbearbeitung spielt in der Astrofotografie eine extrem wichtige Rolle. Bei der Astrofotografie werden viele Langzeitaufnahmen (z.B. 5-15 Minuten.) über einen Zeitraum von möglichst mehreren Stunden hintereinander gemacht. Diese gewonnen Rohdaten (Fits oder RAW je nach Kamera) werden anschließend kalibriert. Das bedeutet mit Hilfe von speziellen zusätzlichen Aufnahmen (Stichwort: Flats, Darks, Bias) „verrechnet“. Die so gewonnen kalibrierten Rohbilder werden anschließend gestackt. Das bedeutet, einfach ausgedrückt, viele Einzelbilder werden anhand der Sterne übereinander ausgerichtet und zu einem Masterbild verrechnet.

 

Die meisten Programme, welche so einen Vorgang durchführen können, sind Freeware (DSS, Fitswork) – also kostenlos erhältlich. Zuletzt wird so ein gestacktes Masterbild etwas weiter in einem beliebigen Bildbearbeitungsprogramm verarbeitet (z.B. Ausgeschnitten, Tonwertkorrektur, Histogramm Anpassung etc.). Ich nutze für diese Zwecke Adobe Photoshop CC. Die farbenprächtigen Bilder des Hubble-Teleskop werden mit Schmalbandfiltern aufgenommen. Diese Aufnahmen müssen ebenfalls immer nachbearbeitet werden. Astrofotografie und Bild-Nachbearbeitung gehören (zur Zeit noch) unzertrennlich zusammen.

 

So, nun kommen wir zu meiner letzten Frage: Was sind Deine Pläne und Träume für die Zukunft?

 

Ich möchte komplett umsteigen auf Schmalbandfotografie mit einer gekühlten SW-CCD-Kamera. Ich hatte zwar schon Gelegenheit mit so einer Technik zu arbeiten, aber es waren nie meine eigenen Geräte. Also auf Dauer weg von der DSLR-Fotografie. Bei meinem lichtverschmutzen Himmel ist dies die beste Alternative um bessere Fotos zu erhalten.
Fazit: Fleißig sparen.

 

Lieber Roland, herzlichen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview. Ich denke, dass Du uns allen einen guten Einblick in die Astrofotografie geben konntest. Nach Deinen Erklärungen und den Hilfestellungen, die Du auch in Deinen Büchern anbietest, wird der ein oder andere sich nun sicherlich an das Thema Astrofotografie heranwagen.

 

Ich freue mich schon darauf, neue Fotos von Dir zu sehen und hoffe, dass Du uns auf dem Laufendes hältst, also spätestens wenn Du Deine SW-CCD-Kamera hast, würde ich mich gerne nochmal mit Dir über das Thema unterhalten.

 

Allen anderen kann ich nur empfehlen, schaut einfach mal auf die Seite von Roland
www.digital-foto-video.eu und sollte die ein oder andere Frage noch aufkommen, dann wird er Euch sicherlich gerne mit Rat und Tat zu Seite stehen.

 

Abschließend erlaube ich mir kurz noch, ein bisschen „Schleichwerbung“ für Deinen Astrofotografiekalender machen 😉 , den jeder gerne unter folgender URL erwerben und sich an den tollen Astrofotografieren erfreuen kann: Fotokunst | Roland Störmer @ meinBildkalender.de