Auch bei Gruppenfotos benötigt man das Einverständnis der jeweiligen Personen

Fotografen haben es wahrlich nicht einfach. Da möchte man einfach nur seiner Passion nachgehen und muss trotzdem aufpassen das Recht, oder besser gesagt die Rechte vieler nicht zu verletzen.

Die Rechte vieler kann gerade bei Gruppenbildern in Betracht kommen. Denn es ist ein meistverbreiteter Irrglaube, dass ein Fotograf bei einem Bild auf denen mehrere oder sogar viele Menschen zu erkennen sind, kein Einverständnis der jeweiligen Personen braucht. Dieser Irrglaube ist gefährlich und kann unter Umständen sogar die Existenz des Fotografen kosten.

Doch warum ist diese Meinung bei vielen Fotografen so vertreten? Das liegt hauptsächlich an der großen Grauzone im Bilderbereich. So gibt es gewisse Rechtsurteile, welche definieren ab wann man das Einverständnis der abgebildeten Personen nicht mehr braucht. Und genau darin liegt der Haken:

Paragraf 23 im Kunsturhebergesetz Absatz 1 Nummer 2 besagt, dass „die abgebildeten Personen nur als Beiwerk einer Landschaft oder Örtlichkeit erscheinen“ dürfen. Im gleichen Absatz steht unter Nummer 3 „das Bildnis Versammlungen, Aufzüge oder ähnliche Vorgänge darstellt, an denen der Abgebildete teilgenommen hat.“

Allerdings kommen diese Ausnahmen überhaupt erst in Betracht, wenn die abgebildete Gruppe nicht als Hauptmerk des Fotos dienen soll. Sprich: Man möchte einen Ort fotografieren und es läuft gerade eine Gruppe durch das Bild. Ebenfalls sollte erkennbar sein, dass diese Gruppe „nur zufällig vor Ort ist.“

Bei Ablichtungen von Veranstaltungen oder Versammlungen kommt dann Nummer 3 des zweiten Absatzes von Paragraf 23 des KUG (KunstUrheberGesetz) zur Geltung. Doch auch hierbei muss der Fotograf genaustens darauf achten, dass die Gruppe oder einzelne Personen nicht „aus der Masse herausheben“. Eine Rechtsverletzung würde bereits bei einer Person schon vorliegen, wenn diese im Vordergrund des Bildes steht. Grund hierfür wäre die Annahme, dass dann nicht mehr der Ort des Geschehens sondern die einzelne Person oder Gruppe der Bildzweck wäre.

Doch auch hier gibt es wieder Ausnahmen, die ebenfalls im Paragraf 23 Abs. 2 des KUG unter Einschränkungen zu finden sind. Sollten die Personen erkennen, dass diese gerade fotografiert werden und dabei posierend oder lächelnd in die Kamera schauen, so ist von einer konkludenten Einwilligung die Rede.

In einem Streitfall vor Gericht ist dies wahrlich eine große Grauzone und oftmals Auslegungssache der jeweiligen Anwälte. Und welcher Fotograf möchte sich tagelang im Gericht aufhalten und anwaltliche Streitereien haben? Da bleibt ja der eigentliche Beruf komplett auf der Strecke.

Trotz diesen Ausnahmen gibt es zusätzlich dazu noch Einschränkungen zu diesem Paragrafen. Denn wenn Personen erkennen, dass sie fotografiert werden und dabei posierend oder lächelnd in die Kamera schauen, so spricht man von einer konkludenten Einwilligung. Auch dieser Graubereich ist sehr groß und oftmals Auslegungssache der Anwälte.

Schließlich kann nie ganz sicher bestimmt werden, ob die fotografierte Person sich beim Lachen gerade zufällig zum Fotografen hin gedreht hat. Auf Massenveranstaltungen besteht zu dem das Problem, dass der Fotograf in der Masse untergehen kann und die fotografierte Person diesen gar nicht richtig wahr genommen hat.

Bei diesen ganzen Graubereichen sowie den unterschiedlichen Auslegungsmöglichkeiten ist jeder Fotograf gut beraten, sich vorher das jeweilige Einverständnis zu holen. Bei Personen bedeutet das ein Modell Release Vertrag und bei Bauten ein Property Release Vertrag.

Bei Gruppenbildern sollte man sich also immer absichern und schriftlich eine Einwilligung der abgelichteten Person(en) einfordern. Auch wenn das bedeutet, dass man 15 oder gar noch mehr schriftliche Einwilligungen braucht.

Letzten Endes möchte ein Fotograf schließlich seiner Arbeit nachgehen und gerichtliche Auseinandersetzungen wegen möglicher Verletzungen mancher Persönlichkeitsrechte vermeiden.